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Oliver Wetterauer
"Selbstinterview"
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Zum wiederholten Mal sehe ich mich mit dem Problem
der Selbstdarstellung konfrontiert. Wenn ich dieses Mal zum altbewährten
Mittel des Interviews greife, so ist das zwar wenig originell, aber
durchaus angebracht, um vielzeilige Textblöcke zu vermeiden.
Ein Text unter vielen in der großen Netzbibliothek hat prägnant zu
sein, schon allein aus Achtung vor den anderen. Als meinen Fragepartner
würde ich mir keinen anderen als Johannes B. Kerner wünschen.
Der Ort ist nicht weiter festgelegt, vielleicht also bei mir zu Hause
auf der Veranda:
Kerner: Zur kurzen Einleitung: Du befindest dich gerade im Aufbaustudium an der Akademie, also so einer Art Übergangsstadium zwischen Studium und echtem Leben. Wetterauer: Genau. Kerner: Davor hast Du Kunsterziehung studiert; warum hast du nicht gleich mit dem Referendariat begonnen? Wetterauer: Ich bin gerade dabei, mir eine Existenz als Freiberufler aufzubauen. Das Referendariat ist eine sehr zeitintensive Angelegenheit und läßt solche Experimente nur schwer zu. Als Student an einer Kunstakademie hingegen ist das kein Problem. Kerner: Das klingt ja gerade so, als ob man dort nichts arbeiten würde. Wetterauer: Wie die Professoren, so die Studenten (lacht herzlich) aber nein, mal im Ernst: man kann sich seine Zeit einfach nur besser einteilen und behält außerdem noch ein bißchen den Kontakt zur Kunst. Kerner: "ein bißchen den Kontakt zur Kunst." Wenn man dich so reden hört, könnte man meinen, daß Kunst für dich nur eine Nebentätigkeit ist. Nimmst du das, was du macht nicht Ernst? Wetterauer: Ich glaube das einzige, was ich während meines Studiums an der Akademie gelernt habe, ist nichts, was mit Kunst zu tun hat Ernst zu nehmen. Schauen sie sich die ernsten Künstler, die hier lehren, doch mal an. Alles Witzfiguren. Als ich mich Anfang dieses Jahres für das Aufbaustudium hier beworben habe, habe ich mir von so einem den Unterschied zwischen U- und E-Kunst erklären lassen müssen. Das ist geradezu lachhaft. Ich glaube, um heute funktionieren zu können muß Kunst jenseits von Ernst und Unterhaltung liegen. Kerner: Oder dazwischen? Wetterauer: Oder dazwischen. Schauen sie, ich glaube viele klammern sich noch an eine veraltete Vorstellung davon, was Kunst ist, wie ein Künstler auszusehen hat und wie er sein Leben zu leben hat. Einer der Professoren hier im Hause meinte einmal, meine Arbeiten würden nicht zu meinem (spieß-)bürgerlichen Äußerem passen und deshalb wären sie schlecht. So etwas finde ich immer ganz interessant, denn es zeigt, wie arm die Kunst ohne Kenntnis von Kulturtheorie ist. Was Roland Barthes im Tod des Autors über das schriftstellerische Ich schreibt, läßt sich meiner Meinung nach auch auf den Bereich der bildenden Kunst anwenden. Subjekt und Objekt sind zwei Paar Stiefel. Auch in einem von Hand gemalten Bild. Kerner: Aber irgendwo habe ich einmal folgende Sätze von dir gelesen: " ..dem Tod des Autors folgt immer seine Wiedergeburt, auch wenn diese nur klammheimlich vollzogen wird. Dadurch, daß der Autor sich selbst verneint, wird seine Lüge offenkundig. Ich bleibt demnach ich." Steht das nicht im Widerspruch zum eben Gesagten? Wetterauer: Wow! Gutes Gedächtnis! Aber nein, das steht nicht im Widerspruch zur Identität des Subjekts. Es geht dabei vielmehr um das Spiel mit dem Ich, der Authentizität des Gesagten oder Gemalten. Erst wenn klar wurde, daß die Perspektive eines Textes oder eines Bildes nichts mit der Person des Autors zu tun hat, wird die vermeintlich authentische Verwendung des Ichs interessant. Eine richtige Fährte, die falscher nicht sein könnte, sozusagen. Kerner: Kann man also sagen, es geht dir in deiner Arbeit um Vortäuschung von Realität? Reichlich banal, findest du nicht? Wetterauer: Natürlich, aber darum geht es mir auch nicht. Oder zumindest nicht nur. Worüber wir gerade gesprochen haben, richtet sich eher an die Herangehensweise an Kunst, also wie man Kunst (und eben damit auch die meine) wahrnehmen und lesen sollte. Worum es in meiner Arbeit geht, läßt sich schwer in einem Absatz sagen. Jedes Bild ist eine Geschichte für sich. Wetterauer: Mir wurde einmal vorgeworfen, ich wolle ironisch sein, wäre es aber nicht genug. Die Themen meiner Bilder seien nicht bissig genug, oder so ähnlich. Das stimmt auch: Ironie richtet sich immer ein Stück weit gegen die Problematik, die sie aufgreift, wirkt also zersetzend. Aus diesem Grund würde ich den Tenor meiner Bilder auch eher mit Pastiche überschreiben, also einer Art Blankparodie, einem Wechselspiel zwischen aufrechter Bewunderung des Sujets und dessen Parodisierung. Darüber hinaus ist für mich die beste Parodie die, die nicht als solche enttarnt wird. Ich würde mir beim Betrachten meiner Bilder wünschen, daß am Schluß die Frage offen bleibt: "Wie ist jetzt das gemeint?" Kerner: Ich denke, da haben wir einen guten Punkt erreicht, um das Gespräch zu beenden. Vielleicht sollten wir noch erwähnen, was den Leser auf den nächsten Seiten erwartet. Wetterauer: Eine ziemlich bunt gemischte Ansammlung von Scans und Kurzprosa. Eigentlich alles Arbeiten aus den letzten zwei Jahren. Kerner: Oliver, ich bedanke mich für das Gespräch. Wetterauer: Gern geschehen, Herr Kerner. |